Syntopie / syntopy

Syntopie besagt, daß zwei unverbundene Orte (das können auch „Orte im Kopf“ sein) an einem Ort zusammengebracht werden.
Es entsteht Raum für ein besonderes Milieu von Neuem, Unerwartetem…

Es gibt keine allgemein gültige Definition des Syntopie-Begriffs. In der Gehirnforschung wurde der Begriff „Syntopie“ von Prof. Dr. Ernst Pöppel am Instiut für Medizinische Psychologie der LMU München geprägt.
 Eine künstlerische Umsetzung der Syntopie findet sich bei dem Künstler Igor Sacharow-Ross.

With its interdisciplinary approach the SYNTOPIC SALON is build on the concept of „Syntopy“ – the holistic recognition, communication and visualization of certain subcultures and people. Syntopy states in general that two places that were not connected before are brought together by – the curators – the selected artists – scientists – and spectators in one place. The result is a special environment for something new, often unexpected … The SYNTOPIC SALON wants to be a flexible place for Syntopia, were different ideas, people coming from different places, viewpoints can meet. Therefore the shape of the Salon is also made flexible; it can be used as a platform, a frame or as a small cubicle studio.
The term “Syntopy” was inspired by Prof. Dr. Ernst Poeppel, while working in Neuroscience at the Institute of Medical Psychology in Goethestreet 31 at the University of Munich. Syntopy and creativity are intertwined because the interaction and exchange of different disciplines almost always frees again some new ideas and enhances tolerance. An artistic implementation of Syntopy is found also in the work of Igor Sacharow-Ross: „What is left unconnected, is forgotten“ which refers to neuroanatomcal process as well!

Prof. Dr. Ernst Pöppel schreibt für den Katalog zum Projekt „sapiens/sapiens“ des Künstlers Igor Sacharow-Ross ( www.kraftzellen.com ):

Wo ist Syntopia ?

Einen Ort erkennt man nicht, wenn man nur einen Ort kennt. Den Ort Chabarovsk oder Schwessin, den Geburtsort, kennt man nur, wenn man auch St. Petersburg und Timmerhorn kennt. Was heißt kennt ? Wenn man den Geruch wiedererkennt, wenn man auf den Straßen, auf den Feldern, im Wald sich müde gegangen hat, wenn ein einzigartiges Bild, ein unverwechselbares Geräusch bleibt.

Ein Buchstabe, das kleinste Element unserer Sprache, macht den großen Unterschied g oder s, Ortsvergessenheit oder Ortsversessenheit; das winzige Zeichen, ein Hauch, ein Duft macht einen Ort unvergesslich und bindet ihn für immer. Doch erkannt wird dieser Ort, gesehen wird dieses Zeichen, gespürt wird dieser Hauch, erfasst wird dieser Duft erst dann, wenn es den anderen Ort gibt, wenn wir zurückkehren, oder in der Erinnerung am anderen Ort.

Ein Ort wird erst in Syntopia erkannt.

Betrachte die Erde, auf der wir leben. Du drehst den Globus und Du siehst die verschiedenen Länder mit den verschiedenen Farben. Manche Länder sind groß, manche sehr klein, doch deutlich durch die Farben voneinander unterschieden. Die Länder sind getrennt, die Menschen in diesen Ländern sind isoliert.

Betrachte einen anderen Globus: Du siehst keine Grenzen, sondern Berge, Steppen, Flüsse, den Ozean. Es gibt keine Menschen. Wir sehen den Globus von außen, als Besucher von einem anderen Stern, als sei es nicht unsere Erde, nicht unser Syntopia.

Dies ist aber unser Syntopia. Wie wird es zu Syntopia ? Für mich deshalb, weil ich verschiedene Orte in mir verbunden habe. Und weil ich mit anderen von anderen Orten verbunden bin. Das Zusammen der Orte macht es zu meinem Ort, macht es zu meinem Syntopia.

Diese Erde wird zuammengehalten von physikalischen Grundkräften. Doch sie wird auch zusammengehalten von der Kraft, die in Syntopia wirkt. Wir leben in Städten, in Dörfern, auf Bergen, im Dschungel, im Wald, auf Steppen, im Schnee oder in der Wüste, wir leben in verschiedenen politischen Systemen, wir haben verschiedene Religionen, eine unterschiedliche Geschichte, wir sind jung oder alt, männlich oder weiblich, weiblich oder männlich, hell oder dunkel, arm oder reich, mit einer der 3000 verschiedenen Sprachen, die auf dieser Erde gesprochen werden. Jeder auf dieser Erde ist ein unverwechselbares Exemplar aus diesen Bestimmungsgrößen, ein singulärer Punkt in einem N-dimensionalen Raum, unverwechselbar und allein. Doch obwohl auch dies richtig ist, so bin ich doch syntopisch verbunden mit jenen, die im Norden, Süden oder am Äquator leben. Das Geflecht der Freunde, das sich um den Globus spannt, hält die Welt zusammen – es sind nicht nur die physikalischen Kräfte.

(Wer nur auf einem Platz hockt, mit Vorurteilen vollgepackt, mit der Wahrheit über alles versehen, nur seine Geschichte kennt, nur durch seinen Tunnel die Welt sieht, der lebt nicht in Syntopia, sondern auf Utopia)

Wo ist Syntopia ? In uns und um uns ist Syntopia, wenn wir die anderen Orte erkennen und somit unseren Ort und unsere Identität erkennen und bestimmen können. Syntopie können wir verwirklichen, wenn das einzelne Element in seiner Bedeutung erfasst wird und mit andern Elementen zu einer neuen Kreativität verbunden wird.

Ernst Pöppel in „sapiens/sapiens“ von Igor Sacharow-Ross

Was unverbunden bleibt, wird vergessen (Igor Sacharow-Ross)

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