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Juliane Zellner – Lücke im Stadtraum: HEYGATE ESTATE – LONDON, Goethestr. 31 München, jederzeit einsehbar

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1974 wurde im Londoner Süden, im Stadtteil Elephant & Castle, eine Großbausiedlung errichtet: das Heygate Estate. Die gesamte Wohnanlage besteht aus sechs Wohnblöcken mit bis zu 12 Stockwerken und zehn niedriger gebauten Wohnhäusern mit bis zu drei Stockwerken. Das Heygate Estate bietet Wohnraum für ca. 3000 Menschen. Seit nun fast 15 Jahren gedenkt das für den Stadtteil zuständige Council, die Anlage abzureißen; vor fünf Jahren begann der Umsiedelungsprozess der Bewohner, der heute abgeschlossen ist. Der geplante Abriss ist für das Jahr 2013 angesetzt. Die monolithischen Gebäudeblöcke lassen den Eindruck einer Festung entstehen, die sich vom Rest der Stadt abzugrenzen scheint. Betretbar ist das Areal nur über eine Brückenkonstruktion, welche die einzelnen Wohnblöcke miteinander verbindet.

Nach der Räumung der Wohnanlage, der Verschließung aller Gebäudezugänge und der Zunagelung der Fenster, bleibt eine Leere zurück. Die riesigen Wohnblöcke vermitteln dem Passanten eine Unnahbarkeit. Das Gelände wird kaum genutzt, vereinzelt spazieren Hundebesitzer vorbei, an manchen Tagen sieht man Parcours-Sportler. Die Außenperspektive auf die konfrontative Festung ändert sich erst bei Begehung des Areals. Erst wenn die Schwelle überschritten ist und man sich im Inneren des Areals in unmittelbarer Nähe der leeren, von Security-Diensten bewachten, Wohnblocks befindet, entsteht die Wirkung eines „Schutzraums“, einer Abkapselung von der hektischen Außenwelt. Das Heygate Estate ist ein Lücke im Stadtraum Londons; einer Stadt, in der sich die neoliberalistischen Züge der Stadtplanung unverkennbar eingebrannt haben. Noch ist das Heygate Estate eine „Festung“ in der Stadt, vielleicht auch „gegen“ die Stadt, doch die temporäre Leere weist auf die Zukunft: die Gebäude werden einem effizienteren Modell weichen.

Das Heygate Estate wurde im Laufe der letzten Jahre zu einem Unort, zu einer „ungenutzten“ Lücke mitten im Stadtraum Londons. Die dokumentarische Installation HEYGATE ESTATE – LONDON implementiert die Massivität der funktionalistischen Architektur des verlassenen Gebäudekomplexes in die Transparenz des Syntopischen Salons in München. Die fotografische Installation der monumentalen Lücke zeigt sich hier in der vom Syntopischen Salon erschlossenen und temporär genutzten Lücke im Stadtraum, zwischen dem universitären Institut für Lebenswissenschaften und dem belebten Straßenrand der Goethestraße. In der Installation wird das Heygate Estate vom Syntopischen Salon imaginär bespielt.

In 1974 the Heygate Estate was built as a housing complex of five larger blocks and 12 smaller houses in the London neighborhood of Elephant and Castle. For 15 years the council, as main owner of the estate, has been thinking about demolishing and regenerating the area. Five years ago the rehousing process of the 3000 inhabitants started, today the buildings are empty.
The monolith blocks of the Heygate seem like a fortress against the rest of the city. The only access to the inside leads over a bridge construction linking the single blocks with each other. After the eviction of the estate, the nailing up of all building entrances, windows and balconies, just emptiness is left. The perception of the building from outside as a defensive fortress changes immediately by entering the area: now it seems like a protected space isolated from the hectic world around. The Heygate Estate is a gap space in the city of London: an „unused“ void. The temporal emptiness alludes already to its future: the buildings will be replaced by a more efficient model.
In the documentary installation „Heygate Estate – London“ the massive structure of the functionalist architecture of the Heygate is implemented in the transparency of the Syntopic Salon in Munich. In form of a photographic installation the monumental gap in London becomes a part of and used by the temporary installed gap space of the Syntopic Salon. The Heygate Estate becomes a virtual stage for the the Syntopic Salon.

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